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Wirteverband Basel-Stadt

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08.04.2016

Parahotellerie, quo vadis?

Wo sie steht und was sie beschäftigt

Von Chancen, Herausforderungen und der stetig wachsenden Sharing Economy: im Gespräch mit Akteuren der Parahotellerie.

Ferienwohnungen, Jugendherbergen, Campingplätze, Gruppenunterkünfte, Bed and Breakfast und Agrotourismus: Die Parahotellerie vereint unterschiedlichste touristische Akteure unter ihrem Dach – eine Herausforderung. Dennoch hat die Parahotellerie als Gesamtheit in den letzten Jahren durch strategische Partnerschaften und Kooperationen in der Beherbergungsbranche an Einfluss gewonnen, ferner politisch in Form von Lobby-Arbeit.

Zurückzuführen ist dieser Bedeutungszuwachs unter anderem auf die 2011 gegründete Interessengemeinschaft Parahotellerie Schweiz (Reka, TCS Camping, Schweizer Jugendherbergen, Bed and Breakfast und Interhome). Deren Ziel ist es, die strukturierte Parahotellerie insgesamt sowie jedes einzelne der fünf angeschlossenen Unternehmen wirtschaftlich und kommerziell voranzutreiben, "was uns in den letzten Jahren gut gelungen ist, zumal sich alle Mitglieder in ihrem jeweiligen Rahmen positiv entwickelt haben", wie Fredi Gmür mitteilt, IG-Präsident sowie CEO der Schweizer Jugendherbergen.

Chancen für die Parahotellerie sieht er künftig im veränderten Kundenverhalten: "Das Bedürfnis nach Gemeinschaft in den Ferien hat wieder zugenommen. Daher sind wir mit unseren Bed and Breakfast, Jugendherbergen, Campingplätzen sowie Ferienwohnungen gut aufgestellt." Eine Beobachtung, die Geschäftsführerin Dorette Provoost von Bed and Breakfast bestätigen kann.

Reka-Direktor Roger Seifritz sieht indes eine weitere Chance darin, dass sich die Parahotellerie immer mehr in Richtung hybrider Hotellerie entwickelt, indem sie Angebote angleiche: "Im Gegensatz zur klassischen Hotellerie, die grundsätzlich Top-down-Preise anbietet, bietet die Parahotellerie Bottom-up-Preise." Darin liege eine besondere Chance, weil sich Gäste gerade in einem preissensiblen Umfeld Leistungen selber zusammenstellen könnten. "Sprich: ein Übernachtungspreis in einem Hotel beinhaltet üblicherweise ein Zimmer, Housekeeping und Frühstück. Ein Übernachtungspreis bei Reka beinhaltet grundsätzlich nur die Wohnung." Zusatzservices seien aber vermehrt buchbar.

Trotz positiver Entwicklung und künftigen Chancen hat die Parahotellerie, wie Fredi Gmür zu bedenken gibt, mit ähnlichen Herausforderungen wie die klassische Hotellerie zu kämpfen. So wird von den Akteuren der Parahotellerie als erstes der starke Franken genannt, gefolgt von Strukturkostennachteilen durch den touristischen Produktionsstandort Schweiz.

Hinzu kommt für Reka-Direktor Seifritz eine Margen-Erosion aufgrund der zunehmenden Bedeutung internationaler Online-Buchungsportale. Dorette Provoost von Bed and Breakfast sieht indes eine grosse Herausforderung darin, in Zukunft die Nase im Wind zu halten und gleichzeitig nicht jedem Trend nachzueifern: "Qualität muss weiterhin vor Quantität stehen."

Herausfordernd gerade für die Parahotellerie ist auch die immer stärker ins Geschäft eingreifende "Sharing Economy", deren Geschäftsmodell ähnlich funktioniert, aber nicht gleichen Rahmenbedingungen unterworfen ist. Dass diese Entwicklung beschäftigt, zeigt die Reaktion von Roger Seifritz. Für ihn ist klar, dass die Bezeichnung "Sharing Economy" nicht mehr richtig ist, "zumal wahrscheinlich drei Viertel der Angebote auf Airbnb nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun haben". Die Mehrzahl der angebotenen Objekte seien heute halbprofessionell bis professionell bewirtschaftete Wohnungen und Zimmer. "Airbnb hat sich für Schattenanbieter zum Business-Modell entwickelt."

Die Konsequenz: Grundsätzlich entstehe dadurch ein zusätzliches Angebot, das mit bisher nicht marktkonformen Preisen operieren könne, weil gesetzliche Rahmenbedingungen entweder nicht gelten oder nicht durchsetzbar seien. Auch Fredi Gmür sieht in der Sharing Economy künftig eine echte Konkurrenz: "Ich begegne dieser grundsätzlich nicht negativ, fordere deren Anbieter aber auf, sich ihrer Qualitätsverantwortung bewusst zu werden." Denn Airbnb und Co. würden letztlich das Ferienland Schweiz repräsentieren, genau wie die strukturierte Parahotellerie und die klassische Hotellerie.

Als Lösung für eine friedliche Koexistenz mit der Sharing Economy sieht Seifritz nur den politischen Weg: "Airbnb als Plattform-Betreiber und Profiteur von der entstandenen Dynamik muss in die Durchsetzung von Regeln eingebunden werden." Oder wie es Roger Müller von Interhome auf den Punkt bringt: "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind von allen einzuhalten und entsprechend umzusetzen."


Parahotelleriestatistik: Erste Ergebnisse kommen diesen Sommer

Was lange währt, wird offenbar endlich gut: Die Rede ist von der Schweizer Parahotelleriestatistik, die 2003 vom Bund äusserst kurzsichtig und aus Kostengründen einfach eingestellt wurde. Die Konsequenz: Das Bundesamt für Statistik (BFS) erfasste ab 2005 unter dem Namen "HESTA" nur noch die Logiernächte der Hotellerie, Kurbetriebe, Jugendherbergen und Campingplätze – ein Armutszeugnis für die Schweiz.

Eine Erkenntnis, die kurz nach Einstellung der Statistik auch bei den touristischen Akteuren folgte, die sich fortan darum bemühten – allen voran der Schweizerische Tourismus-Verband (STV) – die Parahotellerie statistisch wieder sichtbar zu machen.

Doch eine Statistik einzustellen ist um einiges leichter, als sie wieder aufleben zu lassen. Das erklärt, wenn nicht rechtfertigt, dass erst 2010 das Projekt Parahotelleriestatistik (PASTA) lanciert wurde, um künftig wieder eine Statistik über die kommerziell bewirtschafteten Ferienwohnungen und über die Kollektivunterkünfte zu erstellen. "Die Erarbeitung dieser neuen Statistiken erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den touristischen Akteuren in der Schweiz und wurde von Innotour finanziell unterstützt", erzählt Yves Strauss, Chef de Section des BFS.

In einem ersten Schritt habe das BFS in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Tourismusorganisationen und wichtigsten Parahotellerie-Anbietern in der ganzen Schweiz, die kommerziell bewirtschafteten Ferienwohnungen sowie die Kollektivunterkünfte erfasst. "Anschliessend wurde 2015 eine Pilot-Erhebung durchgeführt, um die Erhebungsprozesse zu testen und zu konsolidieren", führt Strauss weiter aus. Zudem seien indirekte Erhebungsquellen identifiziert und in die Erhebung integriert worden, um die Belastung für die Befragten möglichst zu reduzieren.

"Diese gründlichen Erhebungen haben viel Zeit in Anspruch genommen und waren eine grosse Herausforderung", konstatiert Yves Strauss. Aufgrund der guten Ergebnisse dieses Testlaufs in Bezug auf Antwortquote, Datenqualität und zu erwartende Präzision könne nun die reguläre Produktion der Parahotelleriestatistik 2016 wie vorgesehen eingeführt werden.

Konkret bedeutet das, dass die Logiernächte-Daten künftig vierteljährlich anhand einer Stichprobe erhoben und die Ergebnisse hochgerechnet werden. Erste Ergebnisse werden voraussichtlich diesen Juli veröffentlicht. "Die Daten der verschiedenen Beherbergungsarten werden untereinander vergleichbar sein und erlauben somit einen Gesamtüberblick über alle Sektoren der Hotellerie und Parahotellerie", betont Strauss.

Als Hauptziel des Projekts PASTA sieht Strauss zudem, dass die nationalen und internationalen Informationsbedürfnisse im Sektor der Parahotellerie nun definitiv abgedeckt sind. Aber auch spezifischere Bedürfnisse wie zusätzliche Variablen oder eine stärkere Regionalisierung der Ergebnisse würden nicht vergessen. "Zur Identifikation dieser Bedürfnisse haben wir eine Arbeitsgruppe mit den interessierten Kreisen ausserhalb des BFS gegründet. Ziel ist es, ihre eventuellen spezifischen Bedürfnisse ab 2017 in die Erhebung zu integrieren."

Christine Bachmann / GastroJournal


 

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