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Wirteverband Basel-Stadt

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17.11.2017

Finanzierung mit PR-Effekt

Alwin Meyer von Swisspeers über das Potenzial von Crowdfunding

Kapital via Crowd-Finanzierung beschaffen ist für KMU interessant. Gerade in Branchen, die für Banken unattraktiv sind.

Alwin Meyer hat an der Universität St. Gallen Banking studiert und führte eine Geschäftseinheit in einer global tätigen Softwarefirma, spezialisiert auf die Entwicklung und Einführung von Standardsoftware für das finanzielle Risikomanagement in Finanzinstituten. 2015 gründete er mit Andreas Hug und Stefan Nägeli Swisspeers, eine Schweizer Crowdlending-Plattform, die KMUs erlaubt, bei Investoren direkt Fremdkapital zu beschaffen.

Crowdlending ist eine spezifische Form des Crowdfundings. Kurz zum Einstieg: Wie viele unterschiedliche Arten von Crowdfunding existieren, und was unterscheidet sie?

Alwin Meyer: Beim Crowdfunding existieren vier Unterarten. Beim Crowdlending geht es um die Beschaffung von Fremdkapital. Sprich bei dieser Art der Finanzierung stellt eine Vielzahl von Kapitalgebern einer Person oder einem Unternehmen eine bestimmte Geldsumme als Fremdkapital zur Verfügung und erhält dafür als Gegenleistung das Kapital plus Zinsen zurück.

Beim Crowdinvesting geht es wiederum um die Beschaffung von Eigenkapital. Bei dieser Art der Finanzierung stellen zahlreiche Personen Geldbeträge zumeist jungen Unternehmen (Start-ups) zur Verfügung und erhalten im Gegenzug eine Beteiligung, seien das Aktien, Anteilscheine et cetera. Beim Donation-based Crowdfunding geht es rein ums Spenden, hier wird vom Geldgeber keine Gegenleistung erwartet, wohingegen beim Reward-based Crowdfunding der Geldgeber irgendeine projektbezogene Gegenleistung erhält, auch wenn sie nicht dem reellen Wert seiner Einlage entspricht.

Was macht Crowdlending interessant im Gegensatz zu einem Bankkredit?

Das Tolle daran ist, dass man mit dieser Art der Finanzierung auch einen gewissen PR-Effekt erzielt, weil man eine erste Bindung zwischen Anbieter und Kunde aufbaut. Das heisst, ich kann davon ausgehen, dass wenn jemand beispielsweise mein Restaurant- oder Hotelprojekt mitfinanziert, dieser nachher auch ein Gast wird und meinen Betrieb auch bei Freunden bewirbt.

Crowdlending wäre insofern auch eine interessante Möglichkeit für das Gastgewerbe, das eher schwierig an eine Bankenfinanzierung herankommt?

Jein, hier muss man etwas vorsichtig sein. Denn wir wenden ähnliche Evaluationskriterien wie die Banken an, wenn wir Kreditgesuche beurteilen – auch wenn wir am Ende risikobehaftetere Projekte machen können. Das liegt daran, dass die Risikofähigkeit von den Crowdlending-Investoren höher ist als diejenige von einer Bank, sowie daran, dass wir die Betriebe branchenabhängig zum jeweiligen Branchendurchschnitt ansehen. Das heisst, wenn beispielsweise ein gastgewerblicher Betrieb durchschnittlich besser wirtschaftet als der Rest der Schweizer Gastrobetriebe, dann können wir das Projekt in der Regel starten.

Wie schaut es mit Risiken bei dieser Finanzierung aus – sowohl auf Geldgeber- wie auch Geldnehmerseite?

Beim Crowdlending ist es so, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Risiko und Ertrag besteht. Das heisst, je risikoreicher ein Projekt ist, desto höher ist der Zinssatz, den das entsprechende Unternehmen zahlen muss. Das fängt bei 3.5 Prozent an und endet bei 10.5. Ich kann als Investor selber auswählen, ob ich eher in ein risikoreicheres Projekt investiere und einen höheren Zins verdienen möchte oder ob ich etwas Risikoärmeres unterstütze und weniger verdiene.

Auf der Kreditnehmerseite indes ist das einzige Risiko, dass ein Kredit nicht finanziert wird. Wer es allerdings einmal auf die Plattform geschafft hat, der hat sehr gute Chancen, dass sein Projekt finanziert wird.

Was muss ich als KMU mindestens bringen, dass ich ein Crowdlending-Projekt starten kann?

Das Unternehmen muss im Handelsregister eingetragen sein, mindestens 100’000 Franken Jahresumsatz generieren und zwei Jahresabschlüsse vorweisen.

Somit keine Gründungsprojekte?

Nein. Beim Crowdlending werden ausschliesslich betriebswirtschaftliche Projekte finanziert, die dem Ausbau eines Unternehmens dienen.

Alle Crowdfunding-Arten befinden sich noch immer in den Kinderschuhen…

Absolut, und das, obwohl die erste Plattform bereits seit 2008 existiert. Seit einem Jahr stellen wir nun ein starkes Wachstum fest. Dass diese Art der Finanzierung erst jetzt kommt, liegt zum grossen Teil sicher an der Technologie und auch daran, dass Crowdfunding erst jetzt im Zuge der aufsteigenden Plattformökonomie Bekanntheit erlangt.

Wenn man das Potenzial in der Schweiz im Bereich KMU-Crowdlending ansieht. Wie gross ist das?

Sehr gross. In der Schweiz existieren rund 560’000 KMU, von denen gut ein Drittel via Banken finanziert sind und zwei Drittel mit eigenen Mitteln arbeiten. Von diesem Drittel wiederum, das einen Bankkredit hat, haben 75 Prozent nur eine Bankkreditbeziehung. Crowdlending ist bei diesen Grundvoraussetzungen sicher ein Modell, mit dem KMU ihre Finanzierung diversifizieren können, sodass sie nicht nur von einer Geldquelle abhängig sind.

Apropos Banken: Wie schaut es mit Crowdlending im Sinne von nachrangiger Finanzierung von Bankkrediten aus?

Grundsätzlich wird mit Crowdlending-Krediten ein Projekt als Ganzes finanziert. Das heisst, ein Teil der Finanzierung kommt durch Eigenmittel eines Unternehmens zusammen und der Rest via Crowd-Community. Klar könnte man mit diesem Modell auch mit einer Bank zusammenarbeiten, allerdings wäre dann der Crowdlending-Kredit im Range immer hinter dem Bankkredit, und daher sind wir hier eher zurückhaltend.

Ihre Zukunftsvision?

Unsere Vision ist es, dass Unternehmer Unternehmen künftig direkt finanzieren. Sprich das Geld direkt fliesst und nicht mehr einen Umweg über zentralisierte Finanzstrukturen von einem Finanzinstitut nehmen muss. Wenn wir diese Direktheit hinbekommen, dann sollte die Finanzierung gerade von KMU-Projekten künftig effizienter werden – für beide Parteien.

Christine Bachmann / GastroJournal

Alwin Meyer auf dem Dach von Swisspeers. Bild: Christine Bachmann / GastroJournal



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