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Wirteverband Basel-Stadt

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12.03.2014

Auf der Suche nach neuen Märkten und Konzepten

Österreichs Tourismus braucht Internationalisierungsschub

Österreichs Tourismus braucht neue Märkte, einen Internationalisierungsschub, bessere Rahmenbedingungen, neue Freizeitkonzepte, eine deutlich gesteigerte Pro-Kopf-Wertschöpfung: Es war eine lange Liste an Ratschlägen und Forderungen, die beim "Tourismus Talk" auf die Zuhörer im Casino Bregenz einprasselte.

Unter der Leitung des Chefredakteurs der Fachzeitschrift "Tourist Austria International", Christopher Norden, diskutierten Tourismusexperte Walter Junger, der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung Gregor Hoch, Wirtschaftskammer-Spartenobmann und Hotelier Hans-Peter Metzler (Romantikhotel Schiff in Hittisau), Vorarlberg-Tourismus-Chef Christian Schützinger sowie als Gastgeber Dietmar Hoscher, Vorstandsdirektor von Casinos Austria.

"Zukunftsszenarien für den Tourismus – Wertschöpfung versus Nächtigungszahlen" lautete das Motto des Abends, das Walter Junger mit zahlreichen internationalen Beispielen lebhaft illustrierte. So rechnete Junger vor, dass die durchschnittliche Wertschöpfung pro Gast derzeit bei 99 Euro pro Tag im Sommer und bei 120 Euro im Winter liege. Im Vergleich dazu geben Gäste aus China im Schnitt 200 Euro und Gäste aus arabischen Ländern rund 300 Euro pro Kopf und Tag aus.

"Das sind Zukunftsmärkte mit sehr grossem Potenzial, bei aller nötigen Pflege der Stammkunden müssen die einfach stärker bearbeitet werden." Für Chinesen sind allein schon die komplizierten Visabestimmungen eine hohe Hürde, weiss Junger: "Wenn Österreich sich dazu durchringt, diese für Chinesen aufwändige Prozedur zu lockern, würden sich die Nächtigungszahlen über Nacht verdreifachen." Beispiele in anderen Ländern hätten genau diesen Effekt gezeigt.

Gesundheits- und Erlebnistourismus verbinden

Tourismuskonzepte mit Zukunft sieht Junger in der Verbindung von Gesundheits- und Erlebnisurlaub ("Schrothkur oder Heilfasten im Designhotel, wo Abends Entertainment läuft") sowie in bunten Kursangeboten, die der Experte als "Emotion with Education" bezeichnete: "Niemand will zehn Tage still in der Sonne sitzen. Entspannung heisst heute Kochkurs, Tauchkurs, Reiten lernen, Fischen unter fachlicher Anleitung, auch Sprach- und Kreativkurse."

Wirtschaftskammer-Spartenobmann Metzler nahm den Hinweis des Experten auf stagnierende Erträge auf: "Der Tourismus ist eine Erfolgsbranche, die Jahr für Jahr wächst. Leider werden die steigenden Nächtigungszahlen vielfach mit sinkenden Preisen erkauft, während die Kosten steigen. Die Rahmenbedingungen von den Lohnnebenkosten bis zu den behördlichen Auflagen für den Tourismus sind alles andere als günstig, und wir müssen froh sein, wenn die Bundespolitik die Lage wenigstens nicht verschlimmert."

Die "dünne Eisdecke der Wertschöpfung kracht schon bedenklich", fand auch ÖHV-Präsident Hoch. Die Lohnkosten pro Nächtigung seien seit 2004 um 39% gestiegen, die Hotels leiden trotz steigender Nächtigungszahlen an geringer Auslastung. "Dabei hilft uns gerade noch das derzeit sehr niedrige Zinsniveau. Wenn die Zinsen nur ein wenig ansteigen, bringt das viele Hotels in ernste Schwierigkeiten", rechnete Hoch vor und kritisierte: "Die Politik bedenkt viel zu wenig, dass Tourismus nicht nur österreichweit eine wichtige Branche ist, sondern in manchen Regionen die einzige. Was passiert denn am Arlberg oder im Kühtai, wenn der Tourismus ausfällt? Dort wird sich wohl keine Industrie ansiedeln."

Schwierige Betriebsübergaben

Ein besonders brennendes Thema für die Hotelbranche sind die hohen Belastungen bei Betriebsübergaben – hier gingen in der Diskussion auch im Publikum die Wogen hoch. "Ich werde wohl noch 30 Jahre lang meinen eigenen Betrieb nur als Geschäftsführerin leiten können, wir haben keine Ahnung, wie wir die Auflagen bewältigen sollen", rief stellvertretend für viele Nathalie Morscher vom Naturhotel Talen in Brandnertal in die Runde.

Hoch ergänzte: "Eine Betriebsübergabe samt Umgründung erfordert ungefähr den zehnfachen Jahresgewinn – wer soll das aufbringen? In den nächsten Jahren stehen 6000 Betriebe zur Übergabe an, wir fürchten, dass es viele nicht schaffen werden."

Vorarlberg-Tourismus-Geschäftsführer Schützinger griff die Forderung nach verstärkter Bearbeitung von neuen Märkten auf. Im Ländle hätte sich der Aufbau eines starken kulturellen Angebots als wirksames Instrument für die Belebung schwächerer Saisonen erwiesen: "40 Prozent der Gäste, die zum Wandern kommen, geben an, dass sie sich wegen des kulturellen Angebots für Vorarlberg entschieden haben." Neben der Kultur sieht Schützinger auch in einem modernen Gesundheitstourismus ("Gesundheit verknüpft mit Natur") ein weiteres Potenzial für sein Land.

Solche Entwicklungen erfordern den Schulterschluss aller Beteiligten, betonte Dietmar Hoscher von Casinos Austria: "Ein Kulturangebot zu entwickeln oder einer Region ein klares Profil als Gesundheitsdestination zu geben, das kann ein Betrieb allein nicht bewältigen, da müssen alle an einem Strang ziehen."

Hoscher hob hier die Rolle von Leitbetrieben wie Casinos hervor: "Rund 50 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland. Für die ist ein Casinobesuch eine zusätzlich Attraktion, wenn sie in ein Land reisen – manchmal kommen sie auch vorwiegend wegen des Casinos." Auch die Rolle von Casinos Austria als einem der grössten Kultursponsoren (in Vorarlberg werden etwa der Bregenzer Frühling und die Bregenzer Festspiele unterstützt) wirke sich positiv auf die Besucherzahlen aus.

Vorarlberg-Tourismus-Chef Schützinger wies abschliessend darauf hin, dass trotz Internationalisierung und Innovation die Pflege der Beziehung zu Stammgästen und das Bewahren bewährter Traditionen nicht unterschätzt werden dürfe: "Tourismus ist in Österreich keine Industrie, sondern wird von den Menschen der Regionen getragen. Deshalb muss man auch auf die Befindlichkeit der Menschen Rücksicht nehmen, denn diese Authentizität ist eine grosse Stärke."


 

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